Alephologie

Die hier versammelten Artikel wurden sämtlich im Novus Ordo Magazin veröffentlicht (im Laufe der Zeit werden es mehr werden). Schwerpunkt sind alephologisch interessante Gegenstände; solche, die bereits im Buch behandelt wurden und hier im Lichte neuerer Ereignisse (ab 2020) noch einmal aufgegriffen und ergänzt werden sollen, oder solche, die es aus den verschiedensten Gründen nicht ins Buch geschafft haben. Der Stil ist eher locker-unterhaltend; es wird in der Regel kein Alephologie-Wissen vorausgesetzt, sodass die Artikel auch für all jene geeignet sein werden, die Novus Ordo noch nicht gelesen haben. Etwaige Details sollen im Newsletter geklärt werden (– bitte abonnieren!) – 18. Aug 2022

15. Aug 2022

Die Festung Europa und das Ende der neuen Völkerwanderung

Im Herzen Europas ist es still geworden um das noch vor wenigen Jahren die gesamte Medienlandschaft beherrschende Thema Einwanderung. Selbst eine Drohungen seitens des türkischen Präsidenten im März 2020, die unzureichende finanzielle Unterstützung durch die EU angesichts des zunehmenden Drucks des eigenen Landes unter der Last von fast vier Millionen syrischer Geflüchteter mit einer Grenzöffnung zu beantworten, ist in der Corona-berauschten Öffentlichkeit nördlich des Balkan kaum mehr als eine Randnotiz wahrgenommen worden. Selbst einen Monat später, als in Merkeldeutschland wie in jedem Jahr der Spargel die Saisonarbeiter Osteuropas zur Arbeit rief und fünftausend syrische Waisenkinder bei der Visa-Triage offenbar den Kürzeren zogen, konnte selbst das nicht mehr für die leiseste mediale Resonanz, geschweige denn Dissonanz im Lande sorgen.

Das Besondere an unserer Zeit, an dieser „neuen Normalität“, scheint zu sein, dass Krisen nicht mehr wie früher kommen, um bestehende Krisen zu verschlimmern, nein, sie kommen nun, um jene vorausgehenden einfach in Wohlgefallen aufzulösen, gleichsam von unsichtbarer Hand gesteuert. (– „Jede Krise birgt eine Chance“, wie das chinesische Sprichwort sagt, oder vielleicht etwas aufgeklärter: Gäbe es die Krise nicht, müsste man sie erfinden). Der Grund dafür, dass heute nicht mehr „Menschenfluten“ und „Flüchtlingswellen“ als Angstbegriffe den Nachrichtensprech dominieren, sondern Coronawelle und Hitzewelle, liegt nicht (nur) daran, dass Europa das Problem der Migration mehr und mehr „in den Griff“ bekommen und damit beseitigt hätte, sondern vielmehr darin, dass die einen Katastrophismen ihren Zweck erfüllt und nun anderen zu weichen haben – die dasselbe globale Problem unter dem Schmiedehammer wenden und unter anderen Vorzeichen weiter „bearbeiten“. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen“, wie es in der Verschwörung des Fiesco heißt (– ohne hier eine Assoziation mit den Einwanderern zu wecken!)


Wer es nun ist, der hier „schmiedet“, das zu beantworten dürfen sich andere unterfangen; es ist nicht die Aufgabe des Alephologen. Dieser darf sich hier mit dem Arbeitsbegriff des „Katechon“ begnügen und stattdessen die wichtigere Frage beantworten, was es ist, das hier geschmiedet wird. Die Antwort ist aus Novus Ordo bereits bekannt: Es ist das "Eiserne Geschlecht"! Und selbst das Jahr, in dem sich dieses „Geschlecht“ (nennen wir es den „homo hygienicus“?) erhebt, um das vorausgehende Geschlecht, das „Heldengeschlecht“, abzulösen, ist uns bekannt: Das Jahr 2020! Das ist der Beginn des wiederkehrenden Eisernen Zeitalters nach Novus Ordo. ‚Wiederkehrend’ deshalb, weil das eiserne Geschlecht bereits einmal „herrschte“: in der Antike, genauer: bis zum Beginn der Völkerwanderung, die wir auch die „germanische Heldenzeit“ nennen. Da nun beide „Zeitenwenden“ 2020 und 375 als „Paralleljahre“ nach der Zeitalter-Ordnung zu betrachten sind, ergibt sich daraus für die Jetzt-Zeit nicht nur ein Wechsel des „metallischen Vorzeichens“ (Helden – Eisen), sondern darüber hinaus – Hypothese – das Ende einer „Neuen Völkerwanderung“: nämlich derjenigen, die, parallel zur antiken Völkerwanderung gelegen, die Nachkriegszeit in Europa (dem Westen) bis zur Flüchtlingskrise im Jahr 2015 und noch darüber hinaus bestimmt hat, und zwar ohne dass wir sie näherhin als eine solche bezeichnet oder wahrgenommen hätten.

Blickt man in die USA, in das Römischen Reich der Moderne, dann wird sich die behauptete Parallele jedenfalls nicht bestreiten lassen. Hier, an der Grenze zu Mexiko, finden wir, wie es sich für ein echtes Imperium gehört, ein Beispiel Monument-gewordener Migrationspolitik, den Limes, der im Jahre 375 zerbrach und nun als eine kollossale Grenzmauer unter der Präsidentschaft Donald Trumps wiedererstehen sollte ( – auch wenn die Frage, wer nun die Barbaren seien, die nördlich oder die südlich der Mauer, nicht abschließend geklärt werden kann). Sollte man nun einwenden, das Projekt sei doch längst gestoppt, lange vor seiner geplanten Vollendung, dann sei entgegnet: Trumps Nachfolger, Joe Biden, hat den Bau zwar in der Tat gestoppt (in einem rührenden symbolpolitischen Akt am ersten Tag seiner Präsidentschaft), dafür aber den behördlichen Graben zwischen den beiden Ländern doppelt so tief gegraben – Corona sei Dank! So hat er die Anwendung des noch von Trump im März 2020 erstmals eingesetzten Abschiebungsprogramms über den „Title 42“ (‎‎§ 265) des U.S.-C‎‎odes in drastischer Weise erweitern lassen. Im Monat Juli 2021 erreichten diese sogenannten „ansteckungsbedingten Ausweisungen“ (expulsions) von an der Grenze aufgegriffenen Personen eine Zahl von 96.000. Ziel der „Seuchenschutz-Verordnung": Es den Einreisewilligen zu verbieten, rechtmäßig Asyl in den Vereinigten Staaten zu beantragen.


Ein Schwenk zu den neuen Limes-Beauftragten der europäischen Vasallenstaaten (EU) indes zeigt, dass auch die „Festung Europa“ zusehens Gestalt annimmt – wenn auch vielleicht, dem Terrain geschuldet, weniger durch Stahl und Beton als durch Schnellboote und Tränengas.

So erfährt die „Europäische Agentur für Grenz- und Küstenwache“, Frontex, in den letzten Jahren (d. h. um die Epochenschwelle 2020) ein schier exponentielles Wachstum: Lag man 2010 bei einem Budget von 92,8 Mio EUR und einer Truppenstärke von 294 Mann, so waren es 2015 143 Mio. EUR und 309 Mann, 2022 754 Mio. und mehr als 2000 Mann. Schon im Jahr 2018 kündigte Kommissions-Präsident Juncker in einer Rede zur Lage der Union an, die Aufrüstung der Agentur weiter voranzutreiben. Geplant sei bis zum Jahr 2027 eine stehende Truppe von 10.000 Grenzbeamten mit eigener Ausrüstung, erweiterter Vernetzung und Zusammenarbeit sowie einem stärkeren Rückführungsmandat. Eine Einigung über das Vorhaben wurde 2019 vom Europäischen Parlament und Rat in Rekordzeit erzielt, die Bestätigung erfolgte am 1. April.


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Referenzen /Ergänzende Artikel und Videos:


1) Novus Ordo: Eine Einführung in die Apokalypse, V11; V23

2) YouTube: Trump in Texas (Jan 2021): »promise made - promise kept«

3) Wikipedia-Artikel: Title 42 /expulsion

4) ec.europa.eu/commission („A strengthened and fully equipped European Border and Coast Guard“)

08. Aug 2022

Der Schatz der Nibelungen

8. August. Der deutsche Hitzesommer überschreitet seinen Zenit, während das Land in das rot-metallene Licht der germanischen Götterdämmerung taucht: Die Zeit ist reif, da sich der schöngeistige Teil der Gesellschaft nach zwei opferreichen Jahren zurecht verstattet, wieder auf dem Grünen Hügel in Bayreuth des (üblicherweise) jährlich stattfindenen Kultur-Highlights der Wagner-Festspiele teilhaftig zu werden. – Und ausgerechnet in diesem Jahr musste sich der dreitägige Nibelungenzyklus in jeder Hinsicht, inszenatorisch wie darstellerisch, als ein grandioser R(h)einfall entpuppen! Da ist es tunlich, den Blick sogleich abzuwenden und Zuflucht bei einem deutlich herzerfüllenderen Gegenstand aus der Welt Wagners und der alten Helden, weit weg vom Strudel der Gegenwart zu suchen: dem Rheingold.

Nun, möchte man sich in dieser Sache auf die Suche begeben – nicht nach dem Schatz! – nur nach den Plänen der Schatzsucher! – so wird man sehr schnell auf einschlägige Recherche-Portale stoßen, die den Besucher dann auch mit verhältnismäßig offenen Worten zu emfangen wissen:

»Mit der Suche nach diesem legendären Schatz, begibt man sich in das Reich der Mythen und Sagen. Ob der Nibelungenschatz wirklich existiert, lässt sich nicht beweisen, es sei denn, man findet ihn.« – Ein Satz, eingerahmt wie über dem steinernen Eingangstor in eine moosverhangene Unterwelt, die in den vergangenen Jahrhunderten die Existenzen schon so vieler Mythenjäger, Kartenpendler und Rutengänger aufgesogen zu haben scheint.

Die Feststellung über die (Nicht-)Existenz des Schatzes dürfte indes nach menschlichem Ermessen unbestreitbar sein. – Aber gilt das auch noch in unserer Zeit? Für den Alephologen? Kann sich ein Prometh des 21. Jahrhunderts damit zufrieden geben, diesen Schatz schon in den eigenen Händen halten zu müssen, nur um seine bloße Existenzfrage geklärt zu haben? – Nein! Wenn dieser Schatz schon nicht als Realobjekt, als res facta, aufzuspüren ist, weder mit Echolot noch mit Wünschelruten (möglicherweise, weil er nicht als ein solches Objekt existert), dann sollte man ihn doch wenigstens in derjenigen Welt, in der er ganz sicher existiert – nämlich in der des Aleph –, als eine res picta, ein "bloßes" Symbol, wiederfinden können. Und – gesetzt den Fall – der so gewonnene Bildbefund erweist sich in der Tat als aufschlussreich, dann könnte man auf diese Weise eben doch noch zu einer Existenzaussage kommen! Die Apokalypse des Aleph ist eine vollständige, eine absolute und universelle, in der nichts von dem, was überliefert ist, was nur des Andenkens würdig ist, verloren geht, vom Anfang der Zeiten bis zum Ende. Nicht nur haben wir das für die griechische Mythologie bewiesen, für ihren Götterhimmel, die Theogonie des Hesiod und den Kampf der Titanen, den Geschichtsmythos der fünf Weltalter, für die Sage von Atlantis, die berühmte Erzählung der Pandora und das Schicksal des Prometheus, nein, wir hielten so auch bereits den nordischen Mythos in der Hand (siehe Kapitel 5: Die Goldhörner von Gallehus), von den Urquellen an der Wurzel des Lebensbaums Yggdrasil bis zur weltumspannenden Midgarschlange.

Treten wir einen Schritt zurück, um mehr zu sehen: Das alles beherrschende Element in Novus Ordo ist das des Drachenmythos, der von Urzeiten her überlieferte Sieg über die gottwidrige Macht, dargestellt etwa in dem Duell Marduks gegen Tiamat im babylonischen Schöpfungsmythos, in dem alten indogermanischen Ur-Heldenmythos (siehe Vorlesung 19), durch den „Kampf im Himmel“ nach der jüdischen Überlieferung, den Engelsturz und die Vernichtung des Tieres in der Offenbarung. Zentral ist das Motiv des Drachenkampfes auch in der Nibelungensage! Und damit ist bereits klar: Hier, am „Drachenpunkt“ des Aleph, muss der Ort Fafnirs sein (wie schon der des Fenris-Wolfs), dort, am Prometheus-Punkt, haben auch die Unheil schmiedenden Brüder Alberich und Mime ihr Zuhause. Aber wissen wir nicht noch viel mehr? Der Ring, der Berg, das Versteck, die „enge Pforte“ – all das ist uns aus der Symbolik des Aleph wohlvertraut!

Ja, dieser Nibelungenhort scheint sogar ein echter Fortunatus-Schatz zu sein - ein alephologischer Gegenstand erster Klasse! (V 1159: Es war auch nichts anders als Gestein und Gold. Und hätte man die ganze Welt erkauft mit diesem Gold, Um keine Mark vermindern möcht es seinen Werth. Wahrlich Hagen hatte nicht ohne Grund sein begehrt.) Alles, was wir jetzt zu tun haben, ist die Symbolik des Nibelungenliedes in den Lageplan des Aleph zu übertragen – und dann die Antwort auf die eingangs gestellte Frage einfach abzulesen!

Die Antwort (kurz gefasst!): Nein, dieser Schatz existert nicht. Das heißt: nicht in dieser Welt! Als Hagen den Schatz auf dem Rhein verschiffte (– der schmale Grat über den Himmelsozean des Aleph entspricht gerade der Kiellinie über den Rhein), und er dann alles mitsamt dem Ring „im Loche“ versenkte (– die Mitte der Himmelsscheibe ist das Loch, der Ring des Nibelungen entspricht natürlich dem Römischen Ring der Sphäre!), da ist dem Dichter wie dem Alephologen klar: Es muss der Schatz im Himmel sein! – V 1158: Nun mögt ihr von dem Horte Wunder hören sagen: Zwölf Leiterwagen konnten ihn kaum von dannen tragen. In vier Tag und Nächten aus des Berges Schacht, hätten sie des Tages den Weg auch dreimal gemacht. (4 * 3 * 12 = 144).

Der Gesamtbefund scheint alephologisch so klar wie er rein hermeneutisch einleuchtend ist. Wer Heimat und Sinnort dieses Schatzes sucht, findet sie nicht in den Büchern der Geschichtschronisten, sondern genau dort, wo sich, wie in der Edda-Dichtung, Urzeit und Endzeit und damit alles Menschschicksal in einer einzigen apokalyptischen Umarmung befinden. Der Schatz, eine Metapher für das verhängnisvolle Glücksstreben des Menschen im Irdischen, das goldene Gestein, der irdische Abglanz des Himmelreichs. (In der altnordischen Sagedichtung ist der Nibelungenhort nur ein anderes Wort, eine Umschreibung für Gold!). Das verlorene Paradies, der Himmel, ist der Schatz, der in dem Gold nur sein Verdichtungssymbol findet. So nah er uns ist, so unverfügbar. – Wer ihn mit Macht erheischt, dem wird er wenig frommen. Ein Fluch lastet auf ihm. Denn ist der himmlische Schatz nur durch Liebe zu gewinnen, so der irdische durch Haß. – Die Moral von der Geschicht: Der Mensch will sein Glück und Vollleben mit Macht gewinnen, und wird es so verlieren. Dagegen der Liebende überlässt die Sorge für seinen Schatz den Rheintöchtern, den Woglinden, Wellgunden und Flosshilden, bei denen er besser verwahrt ist.


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Referenzen /Ergänzende Artikel und Videos:

  1. Novus Ordo, V 14;17-19;24

  2. Wikipedia-Artikel: Nibelungenhort (nach Snorri Sturluson)

  3. nibelungenhort-finden.de /Der Nibelungenschatz